Vom östlichen Rande herangesegelt
kommt Hyrm mit dem Schiffe,
den Schild erhebend;

von den wütenden Schlägen
der riesigen Schlange,
die den Erdkreis umwindet,
branden die Wogen.

Ausschnitt aus der Völuspa (Edda)

emssaga-Logo

Verein zur
 Förderung der historischen Emsschifffahrt e.V.

Verein zur Förderung der  emssaga-Logo  historischen Emsschifffahrt e.V.

Pressespiegel

Hier finden Sie diverses Presseecho - gegliedert nach den verschiedenen Aktionen des Emssaga e.V.

 

„Wochenend Journal“, 01.08.1998:

Tollkühne Wikinger machen zwei Wochen die Ems unsicher

Tollkühn und voller Tatendrang: Kapitän Dr. Karlo Osthues, Franjo Eilinghoff und Schiffsbaumeister Karl-Heinz Köster (von rechts) am Bug ihres Drachenbootes vor dem Trockendock. Das kleine Bild zeigt ein typisches Wikingerschiff, wie es Textilkünstler aus Nordfrankreich auf dem berühmten Wandteppich von Bayeux im 11. Jahrhundert dargestellt haben. Fotos: Holger Jansing

Tour bis Papenburg im nachgebauten Drachenboot

Von Holger Jansing Sie waren die besten Schiffsbauer ihrer Zeit - und das bescherte ihnen über Jahrhunderte Reichtum, Macht und Ruhm. In die Fußstapfen der alten Wikinger sind jetzt 16 „starke Männer“ aus dem westfälischen Rheine getreten. Seit Januar haben sie ein typisches Drachenboot des nordischen Seefahrervolkes nachgebaut. Gestern war Stapellauf für eine zweiwöchige Tour auf der Ems bis Papenburg.

Die modernen Wikinger sind allesamt Mitglieder des Vereins „Emssaga“, der sich seit 16 Jahren die „Förderung der historischen Emsschifffahrt“ zur Aufgabe macht. Das Drachenboot ist schon das dritte Projekt. 1983 waren die Flußfahrer mit einem 14 Meter langen Floß aus acht dicken Baumstämmen unterwegs, und vor fünf Jahren sorgten sie mit dem Nachbau einer „Harener Pünte“ für Aufsehen. Diese Schiffe transportierten früher Getreide und Kies über die Ems.

Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung lagen die Wikinger nicht fern. „Die haben vor 1000 Jahren bestimmt auch die Ems unsicher gemacht“, ist Kapitän Dr. Karlo Osthues überzeugt. Tatsächlich versetzten die Seefahrer aus dem Norden vom achten bis elften Jahrhundert nicht nur die Küsten in Angst und Schrecken. Vielmehr ruderten sie auch auf allen Flüssen, die sie vom Meer aus erreichen konnten. Aufgrund des geringen Tiefgangs ihrer hochseegängigen Landungsboote war das ohne Probleme möglich.

Blieben im Wasser biegsam: die Eichenbretter für die Schiffsplanken, die hier Max Basting kritisch begutachtet

Anhand eines Wracks aus dem dänischen Roskildefjord haben Archäologen Wikingerschiffe genau rekonstruieren können. Gute Vorlagen liefern zudem die zeitgenössischen Darstellungen auf dem Wandteppich von Bayeux aus dem elften Jahrhundert. Nachdem das Wikingermuseum in Schleswig vorhandene Konstruktionspläne zur Verfügung gestellt hatte, machten sich die tollkühnen Bootsbauer aus Rheine ans Werk. Schnell wurde ihnen klar, daß sie dabei eine ganze Reihe von Kompromissen eingehen mußten.

Ein originalgetreuer Nachbau mit den Materialien und Werkzeugen der Wikinger wäre nicht machbar gewesen, sagt Schiffsbaumeister Karl-Heinz Köster. Das hätte Jahre gedauert. Kurzerhand entschlossen sich die Vereinsmitglieder, statt einfacher Metallsplinte gewöhnliche Schrauben und Nieten und statt der einst üblichen Spaltäxte eine Kreissäge zu benutzen. Wichtig war ihnen im Ergebnis, daß das Aussehen stimmt.

Als provisorische Werft diente eine ausgemusterte Fahrzeughalle auf dem Gelände der Damloup-Kaserne, ein paar Kilometer von der Ems entfernt. Hier lag das Drachenboot, stolze 18 Meter lang, vier Monate im Trockendock. Jeden Samstag und zum Schluß auch an mehreren Abenden pro Woche traf sich die Crew zum Arbeitseinsatz. Mehr als 3000 Stunden und rund 70.000 DM investierte der Verein schließlich in sein Wikingerschiff.

1000 Planken mußten die Bootsbauer, wie hier Axel Käschner (rechts) und Frank Buitkamp, ans Schiffsgerippe montieren.

Der Kiel besteht aus einem Stück Holz, auf dem die aufstrebenden Spanten ruhen. Die Bootsbauer hatten alle Hände voll damit zu tun, auf dieses Gerippe die Planken zu montieren. Kopfzerbrechen bereiteten ihnen dabei zunächst die Rundungen am Heck und Bug. Schließlich kamen Karl-Heinz Köster und seine Leute auf die Idee, die Bretter von frischgeschlagenen Eichen in einem großen Wasserbecken einzuweichen. So blieben die Bohlen biegsam. Jede der rund 1000 Planken der Außenhaut mußten die Emsfahrer Stück für Stück mit Hilfe von Schablonen paßgenau zuschneiden.

Um das Schiff flußtüchtig zu machen, bestrichen sie den Rumpf dick mit zähflüssigem Bitumen. Absolut wasserdicht waren auch die Drachenboote der Wikinger. Sie tränkten lange Frauenhaare und Fasern von Kiefernwurzeln mit flüssigem Teer und drehten daraus ein Band, das sie zwischen die Bretter in die Fugen drückten.

Für eine Kiste Met-Bräu schnitzte Franz Dornekott aus Rheine einen Drachenkopf, der wie bei den Adelsschiffen der Wikinger nun am Bug angriffslustig in die Höhe ragt. Acht Meter mißt der Mast, der sich umlegen läßt. Das 36 Quadratmeter große Rahsegel aus grobmaschigem Hanfstoff will die 16köpfige Crew nur hissen, wenn der Wind nicht zu stark ist. Ansonsten werden sich die Hobbywikinger wie ihre Vorbilder kräftig in die Riemen legen müssen.

Schwarz-Rot-Gold: In den Farben der alten Wikinger haben auch die „starken Männer“ aus Rheine die Planken ihres Drachenbootes gestrichen.

Auf ihrer Emstour wollen sie auf die Errungenschaften der modernen Zivilisation übrigens nicht ganz verzichten. Eine einfache Toilette verbirgt sich unter dem Sitz des Steuermanns. Auch eine große Plane haben sie als Schutz gegen Regen mit an Bord. Die echten Wikinger kannten so einen Luxus nicht. „Die waren eben eine ganze Ecke hartgesottener als wir“, meint Franjo Eilinghoff, Presseoffizier der Crew. Gekocht werde dagegen stilecht auf einer offenen Feuerstelle.

Und was passiert mit dem Schiff nach der Ankunft in Papenburg? Kontakte zum Düsseldorfer Ruderclub haben ergeben, daß es während der Eröffnungszeremonie der Rucder-Weltmeisterschaft in Köln zum Einsatz kommt. Im September wird voraussichtlich Bundespräsident Roman Herzog die Wettkämpfe vom Drachenboot aus eröffnen. Sicherheitskräfte des Organisationskomitees haben es in Rheine schon genau unter die Lupe genommen. Kapitän Karlo Osthues hat zumindest keinen Zweifel an der Stabilität des Prachtstücks: „Es trägt locker 50 bis 60 Personen und kentert nicht.“

Grimmig wie Hägar der Schreckliche: Franjo Eilinghoff im Wikingerkostüm. Foto: Eilinghoff Creativwerbung

zum Seitenanfang

zuletzt geändert am 18.05.2011

www.emssaga.de | Impressum | Site Map (alle Unterseiten) | druckfreundliche Darstellung

Quelle: www.emssaga.de > Pressespiegel (http://emssaga.de/pressespiegel/ 20.08.2017 19:25:36)